Aus dem INNOVATOR

Mitarbeiter motivieren mit Freiwilligenarbeit

 

Eine Neunzigjährige veränderte sein Leben: Mit dem Start-up Volunty hebt Marco Meister soziales Engagement auf eine professionelle Ebene, von der alle Beteiligten profitieren.

 

Laut eurer Website stand am Anfang die Begegnung mit einer Frau …
Marco Meister: Ja, aber nicht, was du meinst. Ich war Student im dritten Semester und belegte den Kurs «Soziales Engagement». So begegnete ich Maria, einer neunzigjährigen Frau. Sie lebte in einer winzigen Wohnung, fast vergessen von der Umwelt. Ich begriff schnell: Meine privilegierte Welt bildet nicht die Realität ab. Viele Menschen kämpfen täglich mit existenziellen Problemen. Das hat meine Sicht der Dinge völlig verändert. Wir brauchen Freiwillige, die mithelfen, dass es anderen Menschen besser geht.


Und dann hat du Philipp Blumer getroffen.
Ihn kannte ich schon vorher. Er war einige Semester weiter und betrieb die Nachhilfe-Plattform Youknow.ch für Studierende. Wir redeten häufig über meine Begegnung mit Maria und die Wichtigkeit von Freiwilligenarbeit. So entstand unser Verein Volunty International zur Vermittlung von Schülern und Studierenden an soziale Organisationen.


Wie bringt man Leute dazu, sich freiwillig zu engagieren?
Es gibt viel mehr Interesse, als man annehmen würde. Nach seinem Master leitete Philipp den Bereich Corporate Social Responsibility, wo er die Resonanz auf Volunteering sah – auch in der Wirtschaft. So entstand unsere Geschäftsidee: Unterstützung von Mitarbeiteraktivitäten wie Corporate Volunteering zur Förderung von Employee Engagement.




Anfang 2018 war Startschuss.
Wir eröffneten unser Büro in Zürich. Kleines Atelier mit grossem Arbeitstisch, Sitzungs- und Denkecke – und einer Dusche. Praktisch, denn wir arbeiteten oft Tag und Nacht. Inzwischen sind wir umgezogen. Die Ateliers sind dreimal so gross, mit mittlerweile 15 Mitarbeitenden.


Was macht ihr genau?
Wir helfen Firmen, mit EmployeeEngagement ihren Erfolg zu steigern. Dafür organisieren wir Mitarbeiteraktivitäten in den Bereichen Corporate Volunteering, Sport, Kultur und Bildung. Erfolgreiches Employee Engagement führt dazu, dass sich Mitarbeitende den Unternehmenszielen und -werten emotional stärker verpflichtet fühlen und motivierter arbeiten.


Zum Beispiel?
Eine grosse Zürcher Firma stellt ihre Mitarbeiter fünf Tage im Jahr für ein soziales Engagement frei. Wir analysieren Bedingungen und Bedürfnisse, wählen Einsatzmöglichkeiten aus und bauen ein komplettes Programm. Jeder hat bis zu zwanzig Einsätze zur Wahl: etwa in einem Tierheim, einer Betreuungseinrichtung oder einem Sportverein. Wir koordinieren alles und werten es für die Firma aus.


Hattet ihr Vorbilder?
Nicht in dem Sinn, dass wir das Modell kopiert haben. Wir sind die Ersten, die das so machen. Unsere Dienstleistung geht viel weiter als die Vermittler oder Online-Plattformen. Wir bieten komplette, individualisierte Programme mit eigener Intranet-Software.


Gab es Zweifel und Ängste?
Wir hatten die Erfahrungen mit unserer Non-Profit-Version. Und wir erkannten das Potenzial von Volunteering und unserem Businessmodell. Daran und an unseren Fähigkeiten haben wir nie gezweifelt. Doch es gab natürlich Rückschläge, die schmerzten.


Etwa?
Ein grosses Beratungshaus hat sich nach einem halben Jahr unerwartet zurückgezogen. Wir hatten intensiv gearbeitet und das Produkt kundennah entwickelt. Es gab zwar ein Honorar, doch das «No» tat weh. Trotzdem war es eine wertvolle Investition. Wir sind heute für die Lernerfahrung dankbar.


Eure wichtigste Ressource?
Unser Team. Es ist matchentscheidend. Wir arbeiten sehr hart und wählen jede Verstärkung nach den Kriterien Know-How, Identifikation und Leidenschaft aus. Wir brennen für unser Thema. Zum Glück hatten wir bisher ein goldenes Händchen bei der Mitarbeiterwahl. Die Fluktuationsrate beträgt exakt null Prozent.


Die Website für massgeschneiderte und freiwillige Firmenaktivitäten: volunty.com

 

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